19. - 24. Mai 2018 - TOUR DE KÄRNTEN

01.06.2018 10:00

19. - 24. Mai 2018 - TOUR DE KÄRNTEN

TOUR DE KÄRNTEN - MICHA`S TOURTAGEBUCH

"Es war wieder soweit… die Tour de Kärnten zum 4. Mal. Nach letztjähriger Abstinenz von der Tour wollte ich es in diesem Jahr noch einmal wissen. Mit dabei Henry Kluge, der einer unserer Sponsoren ist und so viel Gefallen am Radfahren gefunden hat, dass er sich auch mal das Rennen in Österreich antun will. 
Gemeldet waren 380 Fahrer aus 21 Ländern.

1. Etappe

Heute stand das EZF über 40 km an. Die Stimmung war gut und das Wetter sah erstmal nicht schlecht aus. 
Gestartet sind wir im Abstand von 30 Sekunden – Henry wollte mich einholen und ich wollte das verhindern. Also waren wir beide voll motiviert. 
Unterwegs blies ein ordentlicher Wind, der das ohnehin schon schwere Rennen noch etwas beschwerlicher machte. Damit nicht genug, fing es nach 13 km auch noch an zu regnen – zum Glück nur kurze Zeit, so dass ab km 20 die Straße wieder trocken war.

Am Ende hat es für mich noch für den dritten Platz bei den „alten Männern“ gereicht, was einen Startplatz im ersten Block am nächsten Tag sicherte. Nicht so gut lief es bei Henry, der sein erstes Zeitfahren mit dem für ihn komplett ungewohnten Material fuhr. Bei km 10 sprang die Kette zwischen Ritzel und Rahmen und verklemmte sich so sehr, dass er anhalten musste um mit einem kleinen mechanischen Eingriff am Material das Rad wieder fahrbereit zu machen. Dies kostete außer Zeit auch etliches an Nerven. 
Trotzdem fand er wieder gut ins Rennen und konnte mit seiner Zeit deutlich unter einer Stunde bleiben. Leider reichte das nicht mehr für den ersten Startblock. Nun heißt es für ihn schnell nach Rennfreigabe zur Spitze aufzuschließen um seine Bergqualitäten zeigen zu können.

2. Etappe

Heute sollte es mit etwas über 1.000 Höhenmetern auf 105 km noch relativ gemütlich in die Berge gehen. Sollte!!! 
Für mich war das hohe Tempo, welches auf Grund der wenigen Höhenmeter, angeschlagen wurde, von Anfang an zu hoch. Am eigentlichen Berg der Etappe musste ich daher das Feld, welches dort in mehrere Gruppen zerfiel, ziehen lassen. So habe ich bis zum Ziel auf das Hauptfeld über 2 Minuten verloren. Dadurch bin ich auch in der AK-Wertung vom 3. auf den 8. Platz zurück gefallen. 
Besser fühlte sich heute Henry, der das Hauptfeld gut halten konnte und sich somit um mehrere Plätze in der Gesamtwertung verbessern konnte. Pech hatte er allerdings mit einer Schranke, welche geschlossen war und ihn zu einem längeren Stillstand nötigte. 
Aber die nächste Bergetappe kommt und dann wird er weiter an der Verbesserung seiner Platzierung arbeiten…

3. Etappe

Das Dach der Tour stand an. Über 1.880 Höhenmeter verteilt auf drei Berge und 122 km sollte es zum Ziel gehen. 
Dazu gab es auch ein paar Sonnenstrahlen und nur gaaaanz wenig Regen unterwegs. Gefühlt haben wir uns nach den beiden ersten Etappen recht gut, sodass wir optimistisch an den Start gingen. 
Mit hartem Tempo ging es gleich nach der Neutralisation in den ersten Berg und da kam auch recht schnell die Ernüchterung. Im Feld tummeln sich jedes Jahr mehr gute und sehr gute Fahrer, sodass eine Leistungsdichte herrscht, die uns das Leben extrem schwer macht. 
Nachdem das Feld am Berg zerfiel, fanden wir uns beide in derselben Gruppe wieder. Für mich gut – für Henry eher unter seinen Möglichkeiten. 
Dies bestätigte er am 2. Berg des Tages eindrucksvoll indem er sich mit einer handvoll Fahrern absetzen konnte. 
Ich verblieb in der restlichen Gruppe und kam am Ende ca. 3 Minuten nach Henry ins Ziel in Feldkirchen. Die Quittung habe ich in Form eines Abstieges vom 8. auf den 10. Platz in der AK erhalten."

4. Etappe

Heute hat es uns mal so richtig erwischt… Es ging über 98 km und 1.870 Höhenmeter. Die letzten 30 km hat es ordentlich geregnet, was die steile Abfahrt von 1.214 m auf etwa 550 m  zu einem kleinen Abenteuer werden lies. 
Aber das haben wir beide mehr oder weniger gut gemeistert und mussten danach „nur noch“ 2 km bei 16 % Steigung zum Ziel. Es war allerdings ziemlich hart mit der ausgekühlten Muskulatur diesen Berg zu fahren. 
Danach ca. 25 km im Regen zurück zum Quartier und unter die Dusche. Auf Grund des Wetters keine schöne Etappe und keine guten Ergebnisse. 
Henry konnte mir wieder 3 Minuten abnehmen. Den 10. Platz in der AK konnte ich noch mal verteidigen.

5. Etappe

Die letzte richtige Etappe stand an – 95 km mit nur 1.470 Höhenmetern. 
Es ging sofort nach Rennfreigabe mit einem hohen Tempo auf die Strecke. Bis km 42 standen nur etwa 250 Höhenmeter an, was das Feld lange zusammen halten lies. Es wurde immer zwischen 40 und  50 km/h gefahren und als es mal leicht bergab ging hatte ich im Feld 67 km/h auf der Anzeige!!! 
Als es dann in den Berg ging, der mit ca. 12 % schon recht steil war, zerlegte sich das Feld in seine Einzelteile. Ich konnte eine gute Gruppe halten, mit der ich über den nächsten Berg mit einer 18% Rampe gut mitfahren konnte. 
Bis zum letzten Anstieg lief es in der Gruppe super. Aber dieser letzte Anstieg zum Ziel bescherte uns zum Anfang gleich mal 2 km mit ca. 16 %! 
Es war hart, aber ich konnte meine direkten Gegner in der Altersklasse auf Abstand halten und meinen 10. Platz verteidigen. 
Weniger Glück hatte Henry, der sich im Feld zu weit hinten befand. Da es in der Anfahrt zum ersten Berg schon einige Risse im Feld gab und er dahinter war, hatte er keine Chance mehr an die ersten Gruppen ran zufahren und somit einige Minuten auf mich verloren. 

6. Etappe

Heute stand „nur“ noch das Bergzeitfahren auf den Dobratsch an. 
Kurze 16 Kilometer mit reichlich 1.200 Höhenmetern garniert. Das Wetter hatte es noch mal gut mit uns gemeint – es sah unsicher aus, blieb aber trocken. 
Meine Disziplin ist das BZF ja nun wirklich nicht, trotzdem ging ich voll motiviert ins Rennen um den kleinen Vorsprung auf den 11. Platz zu verteidigen. 
Dies gelang mir allerdings nur bis km 6. Danach zogen die Spezialisten an mir vorbei und ich kämpfte nur noch um Schadensbegrenzung. Am Ende war die Zeit etwas schlechter als 2016, was aber einer aufkommenden Erkältung geschuldet sein kann. 
Den 10. Platz in der AK habe ich mit dem 11. getauscht und auch Henry konnte mir noch mal ordentlich Zeit abnehmen… 
In der Endauswertung stehe ich auf Platz 133 und Henry direkt dahinter auf 134.

Fazit:

Alles in Allem war es wieder eine sehr schöne und gut organisierte Rennwoche. Mein Ziel, das Podium im EZF, habe ich erreicht und der Rest sollte Training sein. Wir haben viele nette und interessante Radsportfreunde kennengelernt und jeden Tag radsporttechnisch dazugelernt. 
Unser Dank gilt Bernd Neudert​ und seinen vielen Helfern, welche so ein Rennen erst möglich machen. Es war meine vierte Teilnahme und vielleicht doch noch nicht die letzte…

Sport frei Micha!"


Bildercredits: Bilder teilweise mit freundlicher Genehmigung von Nina Elsässer. (https://www.facebook.com/radsportfotos/)